Hast du dich schon mal gefragt, worauf dein/e HufpflegerIn bei der Bearbeitung der Hufe deines Pferdes achtet? Die Hufe sagen eine ganze Menge über den Gesundheits- und Trainingszustand deines Pferdes aus.
Bei der Barhufbearbeitung werden die Form der Hufe, die Gliedmaßenstellung, die Gliedmaßenführung und das Exterieur des Pferdes beurteilt. Diese Faktoren beeinflussen sich gegenseitig. Im Folgenden stelle ich dir ein paar Richtwerte aus der Fachliteratur vor, um das Prinzip des „Hufelesens“ zu erklären. Diese Faktoren sind aber bei jedem Pferd individuell zu betrachten und hängen u.a. von Rasse und Nutzung ab. Mach dir also keine Sorgen, wenn dein Pferd nicht der Norm entspricht. Das Ziel der Hufpflege ist nicht, jedem Pferd die selben Hufe zu raspeln, sondern die gesündeste Form für das individuelle Pferd zu finden.
Regelmäßige und unregelmäßige Hufe
Einen „normalen“ Huf gibt es also nicht. Vielmehr unterscheidet man in der Fachliteratur1,2 zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Hufen.
Der Blick von unten
Regelmäßige Vorderhufe sind flacher und runder als Hinterhufe. Der Winkel zwischen Zehenwand und Boden beträgt zwischen etwa 45 und 50 Grad.

Regelmäßige Hinterhufe sind steiler und ovaler als Vorderhufe. Der Winkel zwischen Zehenwand und Boden beträgt etwa 50 bis 55 Grad.

Der Blick von der Seite
Flache Hufe haben einen Winkel von etwa 40 Grad am Vorderhuf und etwa 50 Grad am Hinterhuf. Meist wird die Trachte mehr belastet als die Zehe. Das kann zum Beispiel bei Pferden mit langen, weichen Fesseln der Fall sein.

Stumpfe Hufe haben einen Winkel von etwa 60 Grad. Pferde mit kurzen, steilen Fesseln tendieren dazu. Sie belasten die Zehe mehr als die Trachte.

Der Blick von vorne
Enge Hufe haben von vorne betrachtet steile Seitenwände, mit einem Winkel von etwa 85 Grad. Meist ist die Sohle stärker gewölbt und der Strahl weniger ausgeprägt. Unter diesen Bedingungen entwickelt sich schneller Strahlfäule.

Weite Hufe haben von vorne betrachtet flache Seitenwände, etwa im Winkel von 65 Grad. Die Sohle ist meist flach und der Strahl stärker ausgeprägt. Betroffene Pferde laufen häufig fühlig.

Zwei Besonderheiten
Halbeng/halbweite Hufe haben von vorne und von hinten betrachtet eine steile Seite und eine flache Seite. Die steile/enge Seite wird mehr belastet als die flache/weite Seite. Das passiert zum Beispiel bei Pferden mit O- oder X-Beinen.

Diagonale Hufe haben jeweils eine steile und flache Seite, die sich diagonal gegenüber liegen. Das ist besonders gut mit einem Blick auf die Sohle zu erkennen. Die Form ist bei Pferden zu finden, die ihre Gliedmaße auf dem Boden drehen.

Was sagt die Hufform über dein Pferd aus? Hat dein Pferd regelmäßige Hufe ist das ein Zeichen für ein gut ausbalanciertes Pferd – es belastet alle Gliedmaßen gleichmäßig, sodass sich die Hufe gleichmäßig abnutzen.
Hat dein Pferd unregelmäßige Hufe, ist das ein Zeichen dafür, dass es sie ungleich belastet. Zeigt dein Pferd zum Beispiel eine ausgeprägte natürliche Schiefe, kannst du das an den Hufen erkennen: Der Huf mit der meisten Last ist vergleichsweise größer als der weniger belastete Huf.
Zwei weitere Beispiele: Ein Pferd mit X- Beinen belastet die Innenseite der Hufe mehr, ein Pferd mit O-Beinen belastet die Außenseite mehr. Das kannst du selbst ausprobieren! Stell dich einmal x- oder o-beinig hin und fühl nach, an welcher Stelle deine Füße die meiste Last aufnehmen. An der selben Stelle findet beim Pferd der meiste Hornabrieb statt.
Die Aufgabe der Hufpflege ist es, die mehr und die weniger belasteten Stellen des Hufs aneinander anzugleichen, damit die ungleiche Belastung nicht zu langfristigen Schäden im Bewegungsapparat führen.
Wie sehen die Hufe von deinem Pferd aus? Frag doch mal beim nächsten Hufpflegetermin, wie dein/e HufpflegerIn die Hufe deines Pferdes „liest“.
Quellen:
„Hufkurs. Das Praxisbuch für Reiter, Hufpfleger und Hufschmiede“. Autor: Armin Kasper. Verlag: Kosmos. 3. Auflage (2008)
„Der Huf. Lehrbuch des Hufbeschlags“. Verlag: Thieme. Herausgeber: Lutz-Ferdinand Litzke. 7. Auflage (2022)
Fotos: Kim Henneking
