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Warum brauchen Pferde Hufpflege?

„Warum brauchen Pferde eigentlich regelmäßig Hufpflegetermine?“ Um das zu beantworten, schauen wir uns an, wie Pferdehufe wachsen und sich abnutzen.

Bei der Frage nach der Notwendigkeit von Hufbearbeitung denken einige vermutlich zunächst an Wildpferde, die ihr Leben lang ohne einen Hufpflegetermin auskommen müssen. Doch das heißt nicht, dass sie keine gebrauchen könnten! Die Hufpflegerinnen Barbara Kelly und Christina Kuenen von Team HUF haben für ihr Buch „mehr Huf, weniger Bearbeitung“ Wildpferde in Europa, den USA und Australien besucht und deren Hufe beurteilt. Ihre Erkenntnis: Wildpferde haben nicht automatisch gesunde Hufe. Viele hatten sogar deutlich zu lange oder schiefe Hufe, Fehlstellungen oder Zeichen von Hufrehe.

Lebensbedingungen formen den Huf

Ausschlaggebend für die Hufgesundheit sind laut Kelly und Kuenen die Haltungsbedingungen, der Untergrund auf dem die Pferde laufen und das Futter, das sie fressen. So hätten Wildpferde mit weniger Futter und abwechslungsreichen bis harten Böden gesündere Hufe. Pferde, die auf satten Wiesen und weichen Böden leben, wiesen hingegen einige Krankheitssymptome auf.

In der Wildnis müssen sich Pferde mit ihren Hufen arrangieren. Zu lange Hufe brechen zum Beispiel mit der Zeit an den Kanten ab. Chronisch kranke Hufe können für ein Pferd in der Wildnis das Leben verkürzen. Bei Hauspferden haben wir hingegen die Möglichkeit, den Huf in eine möglichst gesunde Form zu bringen. Eine regelmäßige Hufpflege ist also kein überflüssiger Luxus für Hauspferde, sondern eine gesundheitsfördernde Maßnahme.

Wie sich die Faktoren Haltung, Untergrund und Fütterung auf die Hufe auswirken, kannst du als Besitzer bei deinem Tier beobachten: Auf der eher trockenen Sommerweide sind Hufe oft trocken und rissig, auf dem eher nassen Winterpaddock sind sie weicher – das merkst du gut beim Hufeauskratzen. Bestimmt hast du auch schon mal beobachtet, dass das Hufwachstum im Sommer schneller ist, als im Winter. Das liegt an den veränderten Lebensbedingungen: Im Sommer regen das größere Futterangebot und die vermehrte Bewegung das Wachstum an.

Hufwachstum und Hornabrieb

Damit kommen wir zu der Frage: Wie wachsen Pferdehufe? Das erklären die Autoren des Buchs „Der Huf. Lehrbuch des Hufbeschlags“. Demnach dauert es etwa ein Jahr, bis ein Huf an der Zehe vom Kronrand bis zum Tragrand herunter gewachsen ist, an der Trachte sind es etwa sechs Monate. Das Sohlenhorn wächst generell langsamer als das Horn der Hufkapsel. Das Wachstum ist dabei immer abhängig von Rasse und Jahreszeit. Bei Warmblütern spricht man von etwa 6 bis 8 mm pro Monat an der Hufwand und 5 mm an der Sohle.

Dem Wachstum steht der Abrieb gegenüber. Wie viel Horn das Pferd abnutzt ist laut dem Lehrbuch abhängig von den Bodenverhältnissen, der Bewegung und dem Körpergewicht. Bei unseren Hauspferden spielt natürlich auch die Nutzung eine wichtige Rolle – ein Kutschpferd hat bei täglichen Fahrten auf Teer mehr Hornabrieb als ein Freizeitpferd, das für wenige Stunden pro Woche über Gras und Sand läuft. Und ein Pferd in einer Box mit weicher Einstreu hat weniger Abrieb als ein Pferd auf einem gepflasterten Paddock. Diese Faktoren sind auch entscheidend bei der Frage nach dem Hufschutz.

Aber nicht nur die Menge des Abriebs, auch die Art ist entscheidend. Denn genau wie Menschen haben auch Pferde selten perfekte Körperproportionen oder Bewegungsabläufe. Die Art und Weise, wie das Pferd steht und geht, wirkt sich auf die Form des Hufs aus. Der meiste Hornabrieb entsteht an der Stelle mit der meisten Belastung. So können sich Hufe schief abnutzen und verformen.

Sind die Hufe dauerhaft zu lang oder zu schief, wirkt sich das auf den Rest des Bewegungsapparats aus: Sehnen, Bänder, Muskeln und Gelenke können falsch belastet werden. Eine zusätzliche Belastung durch das Gewicht von Reiter oder Kutsche verstärkt diesen Effekt.

Hufpflege unterstützt ein gesundes Pferdeleben

Damit dein Pferd langfristig gesund laufen kann, ist also eine regelmäßige Hufpflege wichtig. Genau wie bei Wildpferden, werden die Hufe unserer Hauspferde durch ihre Lebensbedingungen geformt. In der menschlichen Haltung passen Bewegung, Boden, Futter und Hornabrieb leider selten zu den natürlichen Bedürfnissen des Hufs. Der Huf wird zu wenig, zu viel oder schief abgenutzt. Damit die Hufe deines Pferdes gesund wachsen und Probleme frühzeitig erkannt werden, gibt es die Barhufbearbeitung.

Quellen

„mehr Huf, weniger Bearbeitung“. Autorinnen: Christina Kuenen und Barbara Kelly. Selbstverlag. 2. Auflage (2021)

„Der Huf. Lehrbuch des Hufbeschlags“. Verlag: Thieme. Herausgeber: Lutz-Ferdinand Litzke. 7. Auflage (2022)

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