Ein Hufgeschwür oder -abzess beim Pferd sieht oft dramatisch aus. Manche Pferde lahmen plötzlich und meist stark, teils wollen sie ihren Huf gar nicht belasten. Die Herausforderung: Von außen ist nicht zu erkennen, ob es sich um ein Hufgeschwür oder eine andere Verletzung, wie einen Knochenbruch oder einen Sehnenriss, handelt.
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Was ist ein Hufgeschwür?
Auch wenn der Name es vermuten lässt, ein Hufgeschwür hat nichts mit Hufkrebs zu tun. Ein Hufgeschwür, auch Hufabzess genannt, und beschreibt eine eitrige Entzündung der Huflederhaut. Dabei sammelt sich Eiter in der Hornkapsel an, der auf die empfindliche Lederhaut drückt und Schmerz verursacht. Ein Pferd mit einem Hufgeschwür hat oft starke Schmerzen und geht hochgradig lahm. Beim Abtasten der Zehe ist eine stark pulsierende Arterie zu spüren und das Pferd reagiert stark druckempfindlich.
Wie entsteht ein Hufgeschwür?
Ein Hufgeschwür kann auf verschiedene Weisen entstehen. Die eitrige Entzündung wird durch Bakterien ausgelöst, die in die Hufkapsel eindringen. Das ist zum Beispiel durch einen fehlgeschlagenen Nagel, einen Riss im Horn und eine angegriffene weiße Linie möglich.

Wie wird ein Hufgeschwür behandelt?
Ob ein Pferd an einem Hufgeschwür oder einer anderen Verletzung leidet, kann von außen schwer zu erkennen sein. Denn für den Betrachter ist nicht klar, ob eine Entzündung im Inneren des Hufs vorliegt oder eventuell das Huf- oder Strahlbein gebrochen ist. Im Zweifelsfall sollte deshalb ein Tierarzt gerufen werden.
Um den Schmerzpunkt zu lokalisieren, wird der Huf mit einer speziellen Zange abgetastet. Dabei zeigt das Pferd sehr deutlich, an welcher Stelle es ihm am meisten wehtut, indem es sich dem Druck entzieht oder versucht, die Zange abzuwehren. Das solltest du deinem Pferd niemals übel nehmen – stell dir vor, jemand drückt auf dein entzündetes Nagelbett! Ein Tierarzt kann die genaue Stelle auch mithilfe eines Röntgenbildes finden.
Im besten Fall kann ein Hufgeschwür von außen an einer verfärbten Stelle oder einem kleinen Loch im Horn zu erkennen sein. Wenn die Entzündung nah unter der Oberfläche liegt, kann sie durch wenige Schnitte mit dem Hufmesser freigelegt werden. In diesem Fall kommt eine eitrige, teils schlecht riechende Masse zum Vorschein. Sobald der Druck im Huf nachlässt, fühlt das Pferd eine schnelle Schmerzlinderung.

Ist kein Entzündungsherd zu finden, wird für wenige Tage ein Angussverband angelegt. Solch ein Hufverband muss täglich mit warmen Wasser feucht gehalten werden. Die Feuchtigkeit soll die Entzündung an die Oberfläche ziehen, sodass sie von alleine austritt oder durch erneutes Schneiden zum Vorschein tritt.
Kann das Hufgeschwür geöffnet werden und der Eiter abfließen, wird der Huf einige Tage durch einen Hufverband geschützt und die Wunde desinfiziert. So wird die betroffene Stelle vor Dreck und Bakterien und einer erneuten Entzündung geschützt.
Achtung: Die Behandlung eines Hufgeschwürs muss in den meisten Fällen von einem Tierarzt übernommen werden. Vor allem, wenn die Entzündung tief im Huf sitzt und chirurgisch entfernt werden muss oder in Verbindung mit weiteren Krankheitssymptomen, wie Fieber, auftritt. In schweren Fällen kann die Entzündung auf umliegende Strukturen übergreifen und zum Beispiel zum Ausschuhen führen.
Wie kann man Hufgeschwüren vorbeugen?
Da Hufgeschwüre durch eine defekte Hornwand und Bakterien ausgelöst werden, können regelmäßige Hufpflege und hygienische Haltungsbedingungen, der Entstehung vorbeugen. Aber auch unter den besten Bedingungen kann eine Verletzung oder Entzündung entstehen – mach dir also keine Vorwürfe, wenn dein Pferd trotz bester Pflege einmal einen Abzess entwickelt!
Quellen
1. „Der Huf. Lehrbuch des Hufbeschlags“. Verlag: Thieme. Herausgeber: Lutz-Ferdinand Litzke. 7. Auflage (2022)
2. Richtlinien für Reiten und Fahren. Band 4. Grundwissen zur Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht. FN-Verlag. Herausgeber: Deutsche Reiterliche Vereinigung GmbH. 18. Auflage (2017)
3. „mehr Huf, weniger Bearbeitung“. Autorinnen: Christina Kuenen und Barbara Kelly. Selbstverlag. 2. Auflage (2021)
4. „Das Einmaleins der Hufpflege.“ Verlag: Kosmos Ratgeber. Autorin: Renate Ettl. 2. Auflage (2002)
